Der Transport des Olivenöls

Olivenöl aus der Baetica, dem heutigen Andalusien, wurde in Amphoren abgefüllt. Diese tönernen Einwegtransportbehältnisse wurden im römischen Reich zum Transport von Flüssigkeiten aller Art verwendet. Die bekanntesten Transportgüter dürften dabei neben Olivenöl, Wein und die bekannte garum genannte Würzsoße aus fermentiertem Fisch gewesen sein. Dabei unterschieden sich die verwendeten Amphoren, abhängig von den transportierten Flüssigkeiten in Form und Größe. Während schmale und spitz zulaufende Amphoren als Behältnisse für Wein und garum genutzt werden, dienen kugelige und bauchige Amphoren dem Transport von Olivenöl. Amphoren wurden mit eingestempelten Marken der Töpferei versehen, in denen sie produziert wurden. An Hand dieser Marken lassen sich Rückschlüsse über Export und Verbreitung von Handelsgütern treffen und Transportwege rekonstruieren.

Römische Olivenöl-Amphoren wurden mit den Herstellersiegeln der Töpferei versehen, in denen sie produziert wurden. Bildquelle: Aquilatin from France, via pixabay.com (lizenzfrei für die kommerzielle Nutzung). Die Originalfarben des Fotos wurden hervorgehoben und verstärkt.

Das Olivenöl aus der Baetica wurde in Amphoren transportiert, deren Töpfereien in direkter Nachbarschaft zu den Landgütern lagen, auf welchen das Öl gewonnen wurde. Es ist anzunehmen, dass es enge Verbindungen zwischen den Ölbauern, Töpfern und Transporteuren gegeben hat. Möglich ist sogar, dass es sich bei den Besitzern der Landgüter auf denen das Olivenöl gewonnen wurde, um dieselben Personen gehandelt haben könnte, die auch die Produktion der Amphoren und den Transport des Öls betrieben haben. Funde von Amphoren mit Herstellersiegeln aus der Baetica in Syrien, Italien und den Provinzen nördlich der Alpen zeigen, dass spanisches Olivenöl vermutlich in das gesamte römische Reich exportiert wurde. 
Ölproduktion und Ölhandel arbeiteten Hand in Hand. Die Töpfereien, welche  die Amphoren für den Transport herstellten lagen entlang des Fluss Baetis (heute Guadalquivir) im selben Gebiet wie die Ölbaumplantagen. Vermutlich waren sie sogar im Besitz der gleichen Angehörigen der reichen römischen Oberschicht, die auch die Gutshöfe besaßen. Auf diese Weise ließen sich Verluste durch Zwischenhändler auf einfache Art und Weise vermeiden.

Die Ruinen des Apollo-Tempels in der antiken Stadt Side in der Türkei. Bildquelle: Peter Kraayvanger from Norderstedt/Deutschland, via pixabay.com (lizenzfrei für die kommerzielle Nutzung). Die Originalfarben des Fotos wurden hervorgehoben und verstärkt.

Nach dem Abfüllen des Olivenöls in den Produktionsgebieten der Baetica wurden die Ölamphoren zunächst nach Gades (das heutige Cádiz) transportiert. Ob über das römische Straßensystem oder den Fluss ist nicht geklärt. Mit Sicherheit lässt sich sagen, dass die Ölamphoren von Gades aus über das Meer weiter transportiert wurden. Funde römischer Schiffswracks zeigen, dass die Amphoren perfekt für den Transport auf Schiffen geeignet waren. Ihre Form erlaubte es sie übereinander zu stapeln und ihr runder oder ovaler Querschnitt sorgte dafür, dass sie sich dabei optimal an das innere des Schiffsbauches schmiegten und so stabil gelagert waren. Auf diese Weise ließen sich per Schiff weitaus größere Mengen von Ölamphoren transportieren als über Land.

Grafische Darstellung der Bronzestatue der Kapitolinische Wölfin (Lupa Capitolina) aus „La patria, geografia dell’Italia“ von Strafforello Gustavo weiterlesenBildquelle: Holymoe4237 via Wikimedia Commons (lizenzfrei für die kommerzielle Nutzung). Dieses Bild ist unter den Bedingungen des CC BY-SA 4.0 lizenziert. Der Schwarz-Weiß Kontrast der Grafik wurde verstärkt und der Bildbeschnitt verändert. Dieses Bild wird unter der gleichen oder kompatiblen Lizenz wie das Original verteilt und weitergegeben.

Nach Gades war die nächste Station der Ölamphoren vermutlich Ostia, der antike Hafen von Rom. Hier wird ein großer Umschlagplatz angenommen. Eine sehr große Menge der Amphoren-Scherben vom Monte Testaccio einem „Amphorenschutthaufen“ der auch als „achter Hügel Roms“ bezeichnet wird, weisen Stempel aus der Baetica auf. Daher kann man davon ausgehen, dass eine sehr große Menge des Olivenöls aus der Baetica über Ostia nach Rom gelangte oder im Hafen umgeschlagen wurde.
Öl für die Provinzen nördlich der Alpen wie Raetia, Noricum oder die gallischen Provinzen wurde anschließend von Ostia nach Massalia (heute Marseille) verschifft und von dort aus auf Lastkähnen die Rhône hinauf transportiert. Nur den letzten und kleinsten Teil der Reise wurde im Anschluss auf dem Landweg zurückgelegt.
Olivenöl für Britannien und die Rheinprovinzen wurde entlang der Küste von Gades aus nach Norden gesegelt. Dieser Weg war ungleich gefährlicher, da man sowohl die Biskaya als auch die raue Nordsee zu durchsegeln hatte.

Karte des Römischen Reiches um 125 n. Chr. während der Herrschaft des Kaisers Hadrian in der Epoche der Römischen Kaiserzeit (27 v. Chr. bis 284 n. Chr.). Bildquelle: Andrein, Roman Empire in 125, via Wikimedia Commons (lizenzfrei für die kommerzielle Nutzung). Dieses Bild ist unter den Bedingungen des CC BY-SA 3.0 lizenziert. Bildteile wurden verschoben und neu positioniert und das Bild neu beschnitten. Die Originalfarben wurden hervorgehoben und verstärkt. Dieses Bild wird unter der gleichen oder kompatiblen Lizenz wie das Original verteilt und weitergegeben.

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