Römisches Glas

Glas ist ein Produkt mit einer langen Geschichte. Bereits um 2500 v. Chr. stellten Menschen in Mesopotamien einfache Glasperlen her. Aus dem 7. Jh. v. Chr. ist uns aus dieser Region sogar eine der ältesten Glasrezepturen in schriftlicher Form überliefert, zur gleichen Zeit ist Glas bereits im ganzen Mittelmeerraum verbreitet. Aber erst die Entwicklung der Glaspfeife im ersten Jh. v. Chr. in Syrien und Palästina und die daraufhin mögliche Herstellung von geblasenem Glas sorgt dafür, dass Glas in der römischen Welt den Status einer Massenware erhält. Obwohl es auch Ausnahmen gibt, sind vor allem Glasgefäße in der römischen Welt weit verbreitet und für beinahe Jedermann erschwinglich. Der römische Redner, Politiker und Schriftsteller Cicero berichtet von ägyptischen Händlern, die Glas per Schiff nach Rom befördern, er beschreibt weiterhin, dass der Gewinn, den diese Händler mit dem Verkauf Ihres Glases machen, kaum die Kosten ihrer Reise deckt. Auch der griechische Schriftsteller Strabon berichtet davon, dass man in Rom Glasgefäße zu Schleuderpreisen erwerben kann. Trotzdem gibt es auch kunstvolle Glaserzeugnisse, die als Luxusware gelten und nur von der reichen Oberschicht erworben werden können.

Mit der Glasmacherpfeife, einem langen Metallrohr mit … weiterlesenBildquelle: Cristalica GmbH aus Döbern/Deutschland, via Wikipedia – Dieses Bild ist unter den Bedingungen des CC BY-SA 4.0 lizenziert (lizenzfrei für die kommerzielle Nutzung) und wird unter der gleichen oder kompatiblen Lizenz wie das Original verteilt und weitergegeben.

Römisches Glas wird sowohl in den großen Zentren antiker Glasproduktion in Syrien, Palästina oder Ägypten hergestellt, aber auch in lokalen Werkstätten in Italien oder den Provinzen nördlich der Alpen. Die Produktpalette reicht dabei von Glasgefäßen wie Krügen, Flaschen und Flakons über Trinkgläser, Glasschalen, Perlen und Schmuck bis hin zu Fensterglas, das auch in römischer Zeit schwierig zu produzieren und dementsprechend teuer ist. Auch seltene Objekte wie gläserne Mosaiksteine oder Zierelemente wie Glasaugen bei Statuen und Büsten und sogar militärische Orden aus Glas sind archäologisch überliefert.

Bis zur Mitte des ersten Jh. n. Chr. sind vor allem bunte oder monochrome (meist blau gefärbte) Gläser in Mode. Ab dann nimmt der Anteil an buntem Glas stetig ab. Vom 2. Jh. bis zum 4. Jh. dominieren dann naturfarbene Gläser. Diese naturfarbenen Gläser weisen vom 1. Bis zum 3. Jh. eine bläulich grüne Färbung auf. Im Verlauf des 3. Jh. ändert sich diese Färbung vor allem in den Provinzen in ein grünlichen Olivton. Dies mag damit zusammenhängen, dass man durch die politischen Unruhen gezwungen ist auf andere Rohstoffe zur Herstellung des Rohglases zurückzugreifen. Der Grund dafür ist, dass man für die Rohglasherstellung bis dahin meist auf Quarze aus dem nahen Osten und Ägypten zurückgegriffen hat, die man nun durch lokale Rohstoffe ersetzen muss.

Ein glühender Glasklumpen wird mittels ​Glasmacherpfeife mundgeblasen. Bildquelle: Gauthier Pous from La Garde/France, via pixabay.com (lizenzfrei für die kommerzielle Nutzung). Die Originalfarben des Fotos wurden hervorgehoben und verstärkt.

Römische Gläser zeugen von einer hohen Handwerklichen Kunstfertigkeit. Meist wurde in den Glashütten, auch in den Provinzen, sowohl das Rohglas, als auch das Endprodukt selbst produziert. Es gibt aber auch Hinweise darauf, dass Rohglas, vor allem aus Ägypten zum weiterverarbeiten nach Italien oder in die Provinzen importiert wurde. Spannend ist auch die Tatsache, dass man Altglas und Fehlproduktionen direkt wieder recycelt hat um sie dem Produktionskreislauf wieder zuzuführen.  
Neben einer Vielzahl von Glasfunden zeugt auch die römische Kunst vom hohen Stellenwert und der weiten Verbreitung von Glasprodukten in der römischen Welt. So zeigen Wandmalereien in Pompeji eine Vielzahl von Glasgefäßen jeglicher Art, deren Formen und Funktion sich sehr schön mit dem archäologischen Fundspektrum vergleichen lässt. Mit dem Niedergang des Römischen Reichs ab dem Ende des 4. Jh. nimmt auch die Verbreitung von Glas und besonders von Glasgefäßen v.a. nördlich der Alpen mehr und mehr ab, Glas wird zu einem Luxusgut.

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